29. Januar 2019

Doppel-7 und Duetta I - Zuschnitt

Kurz nach der Fertigstellung der Picolino hat mich mein Cousin direkt für das nächste Projekt "verpflichtet". Diesmal sollte es größer, besser und damit auch schwerer und teurer werden. Er liebäugelte schon seit geraumer Zeit mit den Bausätzen der Doppel-7 und Duetta. Eine schnelle Internetsuche zur Doppel-7 und Duetta liefert für den Hifi-Enthusiasten alle wichtigen elektronischen und akustischen Kennwerte, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Wir schreiben zu diesem Zeitpunkt das Jahr 2013.

Die Rahmenbedingungen für den Bau waren schnell abgeklärt. Als Material wurde - aufgrund der leichten Verarbeitungsmöglichkeiten, hohen Dichte und Optik - Buche Multiplex in 20mm Stärke ausgesucht. Die Ecken werden auf Gehrung gestoßen werden und die ganze Box sollte mittels Lamellos im Stecksystem zusammenbaubar sein. Diesmal wollte mein Cousin den Zusammenbau selbst übernehmen, sodass meine Aufgabe "lediglich" aus Zuschnitt und dem Einfräsen der Lamellos bestand.
Nach einer kurzen Durchsicht der Baupläne und der Materialliste war klar, dass eine Platte Multiplex hinten und vorne nicht reicht - es waren 3 ganze Platten nötig (11,2m²).

Durch die Zuschnittplanung vorab konnte ich mir beim Holzhändler die Platten direkt in handlichere Stücke für den Transport und das leichtere Handling zuhause zuschneiden lassen. Der Holzstapel wollte trotzdem erst einmal untergebracht werden. Zu diesem Zeitpunkt bestand meine ortsfeste Werkstatt nur aus der Hobelbank im Wohnzimmer, sodass für einige Zeit - wieder einmal - an mehreren Stellen der Wohnung größere bzw. kleinere Holzstapel zu finden waren.

Ausgangsmaterial für die 6 Lautsprecherboxen

Die weitere Formatierung der größeren Plattenstücke habe ich draußen mit Handkreissäge und Führungsschiene erledigt. Viele Teile wurden anschließend auf der Tischkreissäge weiter zerteilt, sodass absolute Präzision hier nicht erforderlich war.

Plattenzuschnitt mit Handkreissäge und Schiene

Die rechteckigen Teile für die Versteifung der Gehäuse und die Rückseiten waren schnell präpariert und stapelten sich ab diesem Zeitpunkt in der Küche.

Der erste Schwung fertige Bauteile

Die restlichen Teile für die Fronten, Seiten, Boden- und Oberteile wurden im Wohnzimmer - ordentlich sortiert und beschriftet - gestapelt. Durch die große Teileanzahl und vor allem dem Wunsch geschuldet, die Maserung um die Gehrungen der Ecken herumzuführen, war diese Maßnahme zwingend erforderlich.

Diese Bauteile warten auf die Weiterverarbeitung

Im Nachhinein gesehen, hätte ich mich weigern sollen, die Eckverbindungen auf Gehrung zu schneiden. Die Erika ist eine ausgezeichnete Säge, aber eine Gehrung verzeiht (dem Bediener der Säge) keine Ungenauigkeiten. Einige der Werkstücke waren für meine damaligen Möglichkeiten zu groß und schwer, sodass ich tatsächlich eine leicht gekrümmte Schnittlinie erzeugt habe. Es war ein heftiger Kampf bis alle Kanten eine passable Gehrung hatten. Trotzdem würde es ohne sorgfältige Verleimvorbereitung und Spachtel im Nachgang keine dichte Fuge geben. Durch die Uni hatte sich außerdem der Bauprozess zusätzlich in die Länge gestreckt und die Buchenplatte war nicht sonderlich gut auf die Feuchtigkeitsänderungen im Herbst/Winter zu sprechen. So kamen zu den Unzulänglichkeiten beim Gehrungsschnitt auch noch leichte Krümmungen in den Einzelteilen.

Anschneiden der Gehrungen auf der Tischkreissäge

Der Wunsch nach einem Stecksystem für das ganze Gehäuse ist für den Zusammenbau verständlich, allerdings habe ich bisher noch keine überragenden Erfahrungen mit Lamellos in Gehrungsverbindungen gemacht. Die Kombination mit den kleinen Ungenauigkeiten beim Zuschnitt hat jedenfalls dazu geführt, dass durch die unnachgiebigen Lamellos so manche Fuge sich auch mit starken Zwingen nicht mehr zudrücken ließ.

Gehäuseteile mit eingefrästen Lamelloschlitzen

Außerdem hatte ich im Eifer des Zuschnitts vergessen, dass die beiden Doppel-7-Säulen einen anderen Aufbau als die Duetta haben...

Zuschnittfehler bei den Doppel-7-Seitenteilen, ...

... die Front verdeckt diesen Fehler glücklicherweise am fertigen Lautsprecher. Die Verleimung ist nun allerdings ein bisschen kniffliger geworden ;)

... der von der Front kaschiert wird

Mit den exakten Einbaumaßen der Lautsprecher-Chassis konnten die Fronten vorbereitet werden. Die runden Aussparungen habe ich in mehreren Durchgängen mit meinem Fräszirkel gefräst. Zuerst wurde der Außendurchmesser für den oberflächenbündigen Einbau hergestellt und anschließend der Innenbereich in einem weiteren Durchgang bis auf einen kleinen Materialrest ausgefräst.

Lautsprecheröffnungen für die Doppel-7

Für die rechteckigen Hochtöner habe ich mit dem Parallelanschlag gearbeitet. Hierbei wurde mit der gleichen Einstellung von gegenüberliegenden Seiten gefräst, sodass eine absolut mittige Öffnung entsteht. Im Hinterkopf sollte man sich dabei jedoch stets merken, dass jede Anpassung des Anschlages in doppelter Größe auf das Werkstück übertragen wird. Das war eine ordentliche Fummelei, bis die Öffnung endlich perfekt passte.

Rechteckige Vertiefung für den Hochtöner

Um nicht zu viel Material abtragen zu müssen, habe ich immer ca. einen halben Millimeter Material in der durchgängigen Öffnung stehen lassen. Außerdem kann sich so der Materialrest in der Mitte beim Auslösen nicht im Fräser verfangen und die Fräskante, bzw. im schlimmsten Fall den Fräser und die Maschine beschädigen. Das verbleibende Material lässt sich problemlos mit Stechbeitel oder Teppichmesser durchtrennen. Ein anschließender Durchgang mit dem Bündigfräser liefert risikofrei eine perfekte Kante.

Fast fertige Frontblende für die kleinen Duetta-Boxen

Für die rechteckige Öffnung an der Doppel-7 Front habe ich ein bisschen improvisieren müssen. Durch die umlaufende Gehrung war keine vernünftige Referenzkante für den Parallelanschlag mehr vorhanden. Abhilfe schaffte ein Abschnitt mit Gehrung auf der einen und senkrechter Schnittfläche auf der anderen Seite. So konnte ich die Gehäusefront sicher fixieren und gleichzeitig eine Referenzkante für den Parallelanschlag schaffen.

Improvisierte Referenzkante zum Fräsen der Hochtöner-Öffnung

Die Abmessungen der Lautsprechergehäuse wurden mir eigentlich erst in dem Moment wirklich bewusst, als sie zusammengesteckt vor mir auf der Hobelbank standen. Der Anblick dieser voluminösen Gehäuse ist schon beeindruckend. Die Bassbox der Duetta ließ sich nur mit Mühe alleine auf die Hobelbank heben.
Anschließend habe ich noch alles für den Transport vorbereitet und damit war mein Part in diesem Projekt abgeschlossen.

Ein erster Eindruck der fertigen Gehäuse im "Rohbau"



 





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