22. Mai 2013

Rollschrank mit Arbeitsfläche

Kurz nachdem der Wabeco-Bohrständer Einzug bei mir gehalten hat, stand schon der Entschluss fest, dass er auf der Hobelbank nicht bleiben kann. In meinem Beitrag zum Bohrtisch ist gut zu sehen, dass er mir sehr viel Fläche auf der Hobelbank raubt. In meinem Kopf hat sich schon lange der Gedanke festgesetzt, dass ich gerne noch weitere Lagermöglichkeiten für ständig gebrauchte Werkzeuge hätte. Bisher musste ich jedes Mal unters Bett krabbeln, um Bohrer/Schrauben/Fräser/etc zu holen. Der Hobelbank-Unterschrank ist leider schon belegt.
Die Aufgabe war also der Entwurf eines Schrankes mit der Möglichkeit den Bohrständer aufzustellen und die Schaffung von möglichst viel Lagerfläche. Damit die Vielseitigkeit gewahrt wird und der Schrank mir irgendwann in meiner Werkstatt immer noch gute Dienste leistet, sollte er Rollen bekommen und die gleiche Arbeitshöhe wie die Hobelbank haben.
Im Design ist der Schrank an den Hobelbank-Unterschrank angepasst und beide werden diesen Sommer zusammen auch die gleichen Frontblenden für die Schubladen bekommen. Viele Arbeitsschritte habe ich diesmal nicht genauer gezeigt, da sie identisch mit denen des Unterschranks sind.

Die Bilder von Holzstücken unter der Tauchkreissäge oder auf der Erika habe ich mir diesmal gespart, deswegen geht es los mit der Herstellung von Nuten für die 2 Einlegeböden. Damit diese möglichst exakt sind, habe ich die beiden Seitenteile nebeneinander gespannt und in einem Rutsch gefräst.

Einfräsen der Nuten für die Regalböden

Die Tischplatte hat ebenfalls eine Nut in die Vorderseite zur Aufnahme einer T-Nut-Schiene bekommen. Dabei hat sich mein zweiter selbstgebauter Parallelanschlag als sehr nützlich erwiesen. Durch das Wenden der Fräse um 180° nach jedem Durchgang ist die Nut exakt in der Mitte der Platte entstanden

Fräsen an der Vorderkante

Alle Zuschnitte und Fräsarbeiten sind erledigt. Der Haufen ist inzwischen nur noch in 3 Portionen tragbar.

Alle Teile für den Rollschrank

Auch der Bohrständer durfte wieder seinen Beitrag leisten, hier die Lochreihen für die Schubladenauszüge.

Lochreihenbohrung für die Schubladenauszüge

Als nächstes kam meine beste Freundin nach der Erika zum Zuge, die Lamello-Fräse.

Lamellos als Verleimhilfe und für erhöhte Festigkeit der Verbindung

Bei einem Schrank dieser Größe sind die Passproben auch schon mit ein bisschen Aufwand verbunden. Der obere Einlegeboden hat bereits die Mittelwange für die Schubladeneinteilung angeschraubt bekommen.

Erste Passprobe

Die Verleimung brachte mich an meine Grenzen, ich habe noch nie so große und schwere Teile verleimt und 1-2 große Zwingen mehr hätten nicht geschadet; die Rückwand misst ungefähr 75x75cm aus 18mm Buche Multiplex. Zuerst habe ich die Rückwand mit einer Seite verleimt, um eine grobe Form als Basis für die weiteren Arbeiten zu bekommen.

Verleimung von Rückwand mit einer Außenseite

Weiter ging es mit dem Boden, der verbliebenen Seite und den beiden Einlegeböden. Hier stellten mich die Abmessungen (Korpusoberkante ungefähr bei 180cm vom Boden) und vor allem das Gewicht vor noch größere Probleme als zuvor. Nachdem alle Zwingen, wie auf dem Bild zu sehen, saßen, wollte ich zwei weitere Zwingen an der Vorderseite der Einlegeböden anbringen. Aber
a) ich hatte keine mehr (--> man kann nie genug Zwingen besitzen) und
b) der Korpus war mit den 6 großen Zwingen (4x 80cm und 2x 125cm) so schwer, dass ich ihn nicht mehr so bewegen konnte wie ich wollte.
Letztendlich musste dann ein Paket Kopierpapier und meine Oberfräse als Zwingenersatz herhalten.
Die weißen Zettel am Bildrand sind übrigens der Idiotenschutz, nachdem ich mir beinahe die Enden der langen Zwingen ins Gesicht gerammt hätte. So raschelt es zuerst und der Duck-/Ausweichreflex hat noch Zeit zu greifen.

Verleimung der restlichen Schrankteile

Improvisierte Zwinge aus Kopierpapier und Oberfräse im Systainer

Dieses Projekt verlangte wirklich einiges von mir ab. Die 18mm MPX Platte habe ich noch im Winter gekauft; worunter sie auch deutlich gelitten hatte. War ein schöner Bogen drin. Durch das Auftrennen hat sich das ein bisschen (relativ gesehen) gebessert, aber plan ist immer noch anders. Jedenfalls habe ich durch einen blöden Zufall die Einlegeböden mit ihrer Wölbung nach unten eingebaut - Ich war überhaupt schon froh, dass ich sie mit Gewalt in die gefrästen Nuten bekommen habe.
Das heißt, meine Mittelwange oben saß ungefähr 8mm zu tief. Die Vorderseite konnte ich mit Korpuszwingen in Position bringen, die Rückseite ließ dies aber durch die Bauform der Zwingen und des Schrankes nicht zu.
Eines Nachts kam mir dann der Einfall, dass ich von meinem alten Frästisch noch einen Wagenheber irgendwo herum stehen habe. Damit ließ sich der Einlegeboden dann auch an der Rückseite in Position rücken. Den Anblick der stattlichen Reihe 5x60mm Spax-Schrauben auf der Rückseite erspare ich euch.

Mit Wagenheber und Zwingen wird der Einlegeboden waagerecht gedrückt

Inzwischen hat das Biest auch den oberen Rahmen zur Befestigung der Arbeitsfläche bekommen und ich kann alle Unzulänglichkeiten mit dem Schleifer entfernen. Tragbar nur noch zu zweit.

Anschlussrahmen für die Tischfläche

Der Schrank steht zum Schleifen kopfüber

Ein erster Eindruck, wie sich der Rollschrank an seinem zukünftigen Platz macht. Ich bin jedenfalls froh, dass ich die Rollen mit den großen Rädern genommen habe. So lässt sich der Schrank angenehm bewegen und die 280kg Traglast werde ich wahrscheinlich nie erreichen.

Der Schrank zum ersten Mal an seinem Platz

Die Vollauszüge können nun schon in den Korpus geschraubt werden. Ich habe, wie auch beim Hobelbank-Unterschrank, die Überauszüge mit Rollenführung FR 6142 von Hettich verwendet. Diesmal allerdings nur mit 450mm Länge.

Eingeschraubte Auszugsschienen

Der Schrank ist von Anfang an für die Nutzung mit Schubladen entworfen worden, allerdings war ich mir nicht sicher, wie sich der schwere Bohrständer und die 27mm Tischplatte oben, sowie der Bodenabstand durch die Rollen auf die Kippsicherheit auswirken. Deswegen habe ich die beiden Einlegeböden in der Planung gelassen, damit der Schwerpunkt ein Stück niedriger liegt. So habe ich später einmal die Option die Auszüge wieder abzuschrauben und trotzdem nutzbare Fächer zu haben.
Obwohl die Schubladen Bestandteil der Planung waren, wollte ich den Schrank erst einmal mit offenen Fächern lassen und die Schubladen irgendwann bauen. Allerdings habe ich bei der Kalkulation der Holzmenge für die Schubladen festgestellt, dass ich aus meinen Holzresten 7 von 8 Schubladen zusammen bekomme. Für die eine fehlende Schublade habe ich im Baumarkt Multiplex aus dem Zuschnitt gekauft. Weil ich nur 0,5qm in 3 unterschiedlichen Stärken gebraucht habe, hätten sich die 3x 3,5qm vom Holzhändler nicht gelohnt. Die im Baumarkt produzierten Schnittkanten und Maßungenauigkeiten waren mir relativ egal, da ich selber noch einmal nachschneide, aber der Preis und die miese Holzqualität ist zum Haare raufen. Ich habe den 2-2,5fachen qm-Preis bezahlt, als bei meinem Holzhändler und was im Baumarkt B-Qualität ist, wäre beim Holzhändler wahrscheinlich Schalholz für den Bau.... naja nie wieder.
Die Schubladenseiten werden wieder für den Auszug gefalzt und alle Teile mit Lamellos verbunden.

Zuschnitte aller Schubladenteile

Das anschließende Verleimen der Schubladen war ein Sonntagsspaziergang im Vergleich zum Korpus.

Verleimen der Schubladen

Die Böden wurden wieder von unten geschraubt. Theoretisch hätte ich auch den Akkuschrauber nehmen können, aber ich wollte meine neue Bohrstation ausprobieren und schauen, wie sie sich mit Übergrößen schlägt, also habe ich ein bisschen improvisiert, um eine ausreichende Auflagefläche für die großen Schubladen zu schaffen. Wie bereits angemerkt, Tischverbreiterungen für den Bohrtisch sind eine sinnvolle Ergänzung und werde ich bei Gelegenheit bauen.

Improvisierte Vergrößerung der Auflagefläche

Trotz der improvisierten Auflage haben sich auch die großen Schubladenböden sehr angenehm Bohren und Senken lassen.

Bohren und Senken der Schraubenlöcher

Die fast fertigen Schubladen warten nur noch auf das Bündig fräsen der Böden, das Abrunden der Kanten und den letzten Schliff.

Schubladen bereit zur Weiterverarbeitung

Und hiermit präsentiere ich stolz meine mobile Hobelbankerweiterung mit viel zusätzlicher Staufläche. Die Außenflächen werden demnächst geölt, damit sie farblich zur Hobelbank passen und die Frontblenden folgen auch noch. Die zwei großen Schubladen werden Maschinenschubladen; Verbindungsmittel (Lamello, Dübel, etc) und Schleifsachen (Excenter, Schleifpapier, etc). Vier der kleinen Schubladen werden für Bohrer, Fräser, Schrauben genutzt. Der Rest ist für die Zukunft gebaut, man hört ja eh nie auf Werkzeug zu kaufen...

Der fertige Rollschrank mit Stellfläche...

... für den Bohrständer und...

... 8 Schubladen für Werkzeug

Zum Abschluss zeige ich euch meinen vollständigen Arbeitsplatz in meiner Wohnung.

Mein Arbeitsplatz: Hobelbank mit Rollschrank als Erweiterung



Update:
Die Schubladenblenden sind endlich fertig.



Kommentare :

  1. Gefällt mir sehr gut. Hab auch nen baugl. Bohrständer und bin das ewige Rumwuchten und Verstauen schon lange leid.

    Danke für die gut dokumentierte Inspiration!

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  2. Hallo Tobias,

    toller Blog, da hast du ja ordentlich Projekte gesammelt! Ich bin dann mal gespannt was aus der Zeichnung wird die auf der Hobelbank lag.

    Eine Frage zum Bohrständer, hast du den auf der Siebdruckplatte verschraubt? Durch die vergrößerte Auflage kommst du ja schwierig an die Löcher der Bodenplatte vom Bohrständer.

    Viele Grüße
    Christoph

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    1. Hallo Christoph,

      danke schön :)

      Der Bohrständer ist nicht auf dem Rollschrank befestigt. Ich habe unter die Fußplatte eine Multiplexplatte geschraubt, damit ich mir keine Macken in die Siebdruckplatte mache und ihn leicht schieben kann. Anschließend habe ich den Bohrtisch von oben in vier passende Nutensteine verschraubt.


      Gruß
      Tobi

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  3. Bist du immer noch mit dem Bohrständer zu frieden, weil man ja manchmal hört das der Arm oder so Spiel hat und bei bohren nicht exakt die Position trifft die sie eigentlich soll.

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    1. Hallo,

      also ich habe keine Genauigkeitsprobleme mit meinem Bohrständer. Natürlich bohrt er nur so genau, wie ich mit der Bohrspitze zielen kann. Allerdings ist das für meine Anwendungen bisher absolut ausreichend. Die Justierung ist tatsächlich ein bisschen knifflig, aber mit Gefühl und Geduld lässt er sich so einstellen, dass ein guter Kompromiss zwischen Leichtgängigkeit und Genauigkeit gefunden werden kann.
      Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich natürlich eine Ständerbohrmaschine bevorzugen und den Bohrständer nur für Löcher mit großen Randabständen oder auf Flächen nutzen.

      Viele Grüße
      Tobi

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