6. Juli 2013

Erika-Tuning - Besäumschlitten

Durch den Erwerb der Hobelmaschine steht mir nun endlich der Weg zur Massivholzbearbeitung offen, allerdings will ich nicht immer mit Handkreissäge und Führungsschiene besäumen, weswegen ich meiner Erika einen weiteren Anbau verpasst habe. Theoretisch könnte der Schiebeschlitten von Mafell auch verwendet werden, allerdings ist der bewegliche Tisch ungefähr 30cm vom Sägeblatt entfernt.
Für meinen Entwurf habe ich mich eher an den Schiebeschlitten von Formatkreissägen orientiert, die bis direkt ans Sägeblatt heran reichen. Basis ist eine furnierte 20mm MDF Platte mit 150cm Länge und 40cm Breite, die ich im Keller gefunden habe. Die Führung des Schlittens erfolgt mit einer untergeschraubten Leiste, die an der Tischkante entlang geschoben wird. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das passende Schwalbenschwanzprofil, wie es umlaufend am Maschinentisch der Erika montiert ist, auf die Führungsleiste übertrage, damit sie seitlich unverschieblich geführt ist. Bei meiner bisherigen Arbeit mit dem Besäumschlitten war es ganz angenehm nach Beendigung des Schnittes den Schlitten ein Stück vom Sägeblatt zu entfernen und dann wieder zurück zu schieben.

Unterseite und Führungsleiste des Besäumschlittens

Auf die Oberseite habe ich mit doppelseitigem Klebeband 3 größere Stücke Gummimatte geklebt, die einen unglaublichen Reibungswiderstand bietet. Ich kann leider nicht sagen, wie sie heißt und wofür sie sonst benutzt wurde, aber ich habe ein Stück davon gefunden und ein paar Versuche überzeugten mich, sie dafür zu verwenden.

Befestigung der Antirutschmatte

Nach dem Aufkleben der Gummistücke ist der Besäumschlitten fertig und wartet auf den ersten Schnitt, der die Vorderkante abtrennt und somit ein exaktes Anlegen der Werkstücke ermöglicht (vergleichbar mit der Gummilippe an der Führungsschiene für die Tauchsäge).

Fertiger Besäumschlitten

Der Testling für den ersten Besäumschnitt war ein Stück Lärche mit ungefähr 50mm Stärke. Durch die 20mm MDF verliere ich ein bisschen Schnitthöhe, aber durch den Kauf der großen Erika damals, bleiben immer noch 65mm übrig, was absolut ausreichend sein sollte für meine Zwecke.
Für die Bearbeitung wird das Holz einfach auf den Schlitten gelegt, mit der gewünschten Schnittlinie an der Kante des Schlittens ausgerichtet und dann durch das Sägeblatt geschoben. Der Vorteil ist, dass ich wie bei den großen Sägen seitlich zum Werkstück stehe und die Finger in sicherer Entfernung vom Sägeblatt sind. Nachteil ist die verschlechterte Staubabsaugung - die 20mm zusätzlicher Abstand zur Tischöffnung lassen viele Späne seitlich heraus fliegen, statt dass sie nach unten abgesaugt werden.

Vorbereitung des Besäumschnittes

Besäumtes Brett

Auch lange und schwere Werkstücke, hier 130cm Buche in 35mm Stärke und 30cm Breite, lassen sich ganz gut mit dem Besäumschlitten bearbeiten. Allerdings werde ich mir dafür noch zwei Rollenböcke kaufen, die den Schlitten unterstützen, sobald er ein Stück über den Maschinentisch hinaus ragt. Es ist auch so machbar, aber für meinen Rücken und für die Maschine ist es wahrscheinlich anders besser.

Auftrennen von langen Werkstücken




Kommentare :

  1. Hallo Tobi,

    gute Idee. Aber was ich nicht verstanden habe:

    Das rechtwinklige Brett unter Deinem Besäumschlitten läuft nur an der Kante Deines Maschinentisches entlang. Wie verhinderst Du, das die der Schlitten vom Sägeblatt wegwandert ?

    Drückst Du und schiebst gleichzeitig den Schlitten ? Und wer hält das Brett ?

    Klasse Idee

    Gruß Andi

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    1. Moin Andi,

      wie du schon vermutet hast, drücke und schiebe ich gleichzeitig. Ich stehe bei kleineren Brettern seitlich neben dem Sägetisch (Bild 4: Auf Höhe des mittleren Gummistückes), die Hände sind beide auf dem Werkstück und drücken es runter, damit es nicht wackelt. Die hohle Seite liegt selbstverständlich unten, aber das verhindert bei rohem Holz nicht immer das Kippeln über 2 Ecken. In dieser Position kann ich mit wenig Kraft den Schlitten nach vorne schieben und gleichzeitig leichten Druck gegen die Maschinentischkante geben. Der Schlitten läuft trotz seiner Größe und seinem Gewicht erstaunlich leichtgängig. Das nächste Mal werde ich noch ein bisschen Silbergleit auf die Tische polieren, damit es noch leichter geht.
      Bei längeren Werkstücken laufe ich mit, und muss zu Beginn mit einer Hand auf dem Werkstück auskommen, weil ich mit der anderen Hand den Schlitten am Kippen hindere.

      Deswegen habe ich geschrieben, dass ich mir noch Rollenböcke zulegen werde, damit ich mich wieder ganz auf das Werkstück konzentrieren kann. Eine weitere Überlegung ist ein Besäumschuh von einer Formatkreissäge auf den Schlitten zu schrauben, damit ich nur noch eine Hand zum Halten des Brettes brauche.

      Hoffe deine Fragen beantwortet zu haben

      Viele Grüße
      Tobi

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  2. Hallo,

    Eine super Idee. Ich bin selber Besitzer einer Erika 85. Ich habe gesehen, dass Du den Paralellanschlag nutzt. KannstDu mir sagen, welche Nutensteine Du für die Befestigung des Lineals verwendet hast?

    Danke.

    Gruß Jens

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    1. Moin Jens,

      die Nutensteine waren beim Anschlag dabei (25x10x5mm mit M6 Gewinde).

      Gruß Tobi

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  3. Hallo Jens,

    Du kannst auch M6-Muttern verwenden; die passen in die Nut des Lineals.

    Gruß Manni.

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  4. Hallo,

    vielen Dank. Ich denke ich werde so einen Schlitten für meine Erika nachbauen. Ich denke ich werde noch ein 45° schräges Brettchen montieren, dann kann ich das zu besäumende Brett dort hineinlegen. Dazu noch eine T-Nut Schiene und ich kann ein zweites verschiebbares Brettchen nutzen um das zu besäumende Stück fest einzuspannen.

    Gruß

    Jens

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  5. Hallo Tobi,

    bei deinem Schlitten fällt dann der abgeschnittene Teil 20 mm tief.
    Bei den schweren Bohlen, die du auf den Bildern sägst, hätte ich gedacht, dass auf den letzten 5 cm das Holz reißt oder ähnliches. Ist da nicht passiert?

    Ansonsten finde ich die Idee wunderbar, da einfach, kostengünstig und genau.

    Ich bin z.Z. auf Ideensuche für einen Schiebeschlittenselbstbau für mein EB PK 200.
    Allerdings will ich nicht besäumen, sondern rechtwinklig ablängen können.
    Der Queranschlag, der in einer Nut geführt wird, ist zu ungenau und wackelig.
    Ich probier mal deine Idee aus (ein bisschen kleiner natürlich)

    Viele Grüße

    Markus


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    1. Hallo Markus,

      ich kann mich nicht erinnern, dass ich Probleme mit dem Schnitt am Ende hatte. Bei den ganz langen Teilen hatte ich allerdings eine helfende Hand, die die Bohlenstücke und den Schlitten am Ende gestützt hat. Mit den Rollenböcken habe ich bisher noch nicht aufgetrennt. Man sollte allerdings auch nicht die Festigkeit des Holzes unterschätzen, die ist teilweise ziemlich beachtlich.
      Ohne es genau zu wissen, würde ich auch schätzen das höchstens die letzten 1-2 cm ein Problem sind (bei den gezeigten Bohlenstücken) und diese sind locker innerhalb meiner Bearbeitungszugabe und im späteren Verlauf irgendwann abgeschnitten.

      Für Ablängschnitte würde ich auf jeden Fall eine Führung für den Schlitten vorsehen, die ein seitliches Verrutschen unmöglich macht - im Rahmen der leichtgängigen Beweglichkeit natürlich. Wenn du eine Nut im Tisch hast, ist das eine gute Ausgangsposition. In meinem Beitrag zum Kreissägetisch ist ein "Cross-Cut-Sled" mit Nutführung vorgestellt. Dieses Schlagwort sollte dir auch in der Google-Bildersuche eine Fülle an Informationen liefern. Die Amis fahren total darauf ab, da richtige Schiebeschlitten aus irgendeinem Grund keinen Zuspruch finden.

      Viele Grüße und gutes Gelingen
      Tobi

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