17. Mai 2013

Gewürzregal

Nachdem ich schon ein paar Wochen in meiner Wohnung gelebt habe und meine Kochversuche langsam genießbarer wurden, steigerte sich auch der Bedarf an unterschiedlichen Gewürzen. Also musste ein Gewürzregal her, worin die einzelnen Dosen schön übersichtlich aufbewahrt werden können.
Aus Resten meines ersten Hochbett-Baus habe ich damals ein einfaches Gewürzregal gebaut.
Inzwischen konnte ich die Multiplex-Optik nicht mehr sehen, inkl. der ganzen Baufehler, die man so am Anfang macht. Zum Beispiel fallen die Regalböden von der rechten zur linken Seite um fast einen ganzen Zentimeter ab, weil ich mich mal wieder mit den Runddübeln verbohrt habe, ohne es rechtzeitig zu bemerken.

Das alte Gewürzregal kurz nach Fertigstellung

Trotz allem hat es mir für ungefähr 1 Jahr gute Dienste geleistet und sich mit der Zeit auch so weit gefüllt, dass ich es nicht ohne Ersatz entfernen konnte.

Das alte Regal in "Aktion"

Damit war der Startschuss für mein erstes Möbelstück aus Massivholz gefallen. Ich war äußert gespannt, wie sich der gewählte Ahorn verarbeiten lässt. Bisher hatte ich nur Erfahrungen mit Fichte/Tanne und Multiplex gesammelt.
Das eckige Design des alten Regals ist zwar praktisch beim Bau, hat mir aber mit der Zeit auch immer weniger gefallen, weswegen ich einen neuen Entwurf gewagt habe, der etwas dynamischer wirkt.

Der erste Schritt war also die Herstellung der eher ausgefallenen Schablone. Zuerst habe ich mit Kurvenlineal und Geodreieck die Form entworfen und danach mit der Stichsäge grob ausgeschnitten.

Entwurf der Schablone für die Seitenteile

Weiter ging es auf dem Frästisch. Dort habe ich mit einem schraubbaren Kurvenlineal und einem Bündigfräser die Kontur sauber aus dem Sperrholz ausgefräst.

Herstellung der Schablone 

Die Schablonen sind fertig und warten auf ihren Einsatz.

Schablone für Ober- und Seitenteil

Danach begann der (gedacht) schwierigste Teil. Ich brauchte einen nette Person, die mir beim Holz hobeln/abrichten behilflich ist, da ich keine Werkstatt zur Verfügung habe, und damit auch keine Hobelmaschine mein Eigen nennen kann. Glücklicherweise hat sich ein anderer Holzwerker aus der Umgebung blitzschnell auf meine Suchanfrage gemeldet. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die große und breitwillige Hilfe :). Bei unserem ersten Treffen haben wir uns dann auch postwendend eine Bohle Ahorn vorgeknöpft und aufgetrennt.

Schöne Hobby-Werkstatt 

So Platz sparend kann man eine 3m lange Ahornbohle lagern 

Anschließend hieß es warten, bis der heiß ersehnte nächste Termin anstand, an dem wir das aufgetrennte Holz aushobeln wollten. So konnte es sich noch zwei Wochen ein bisschen an die Umgebungsfeuchte anpassen.
Zuhause ging es nach der Hobelei direkt weiter. Erst den Zuschnitt erledigt und dann wurde die Schablone aufgespannt und mit der Oberfräse die Form ausgefräst.

Ausfräsen der Seitenteile

Durch Zufall bin ich im Internet günstig an eine fast neue Lamello-Fräse gekommen und habe die Chance beim Schopf gepackt und testweise Lamellos als Verleimhilfe eingefräst. Dieses Vorgehen hat sich bewährt, sodass ich bis heute in jedes verleimte Möbelstück an strategisch sinnvollen Stellen Lamellos versenke.

Lamellos einfräsen

Der Zuschnitt und die Formfräsung ist beendet. Außerdem hat jeder Regalboden eine Herberge für einen kleinen Lamello. So langsam lässt sich die spätere Form erkennen.

Der erste Blick auf das neue Gewürzregal

Nach einem ganzen Tag Maschinenlärm habe ich die zwei Stunden genossen, die ich gebraucht habe, um alle Kanten per Handschliff schön geschmeidig zu machen.

Sanft gerundete Kanten an den Seiten

Später am Abend habe ich mich mit Hilfe meiner Mutter noch ans Zusammenleimen gemacht und hätte es besser auf den nächsten Tag verschoben. Trotz zwei "Trockenübungen" war es Stress pur. Nach heftigen 4 Minuten, in denen sich zeigte, dass es nicht der richtige Leim ist, den ich verwende (viel zu schnelle Erhärtung), war dann endlich alles in den Zwingen verstaut. Gegen austretenden Leim habe ich die Kanten mit Malerkrepp abgeklebt.

Aufmerksame Leser werden bemerken, dass ich diesmal am Küchentisch arbeite und nicht am Schreibtisch. Für zwei Personen ist es in der Küche leichter und man steht sich nicht gegenseitig auf den Füßen.

Verleimung

Ich hatte vor dem endgültigen Pressen den Sitz der Metallstange 2x kontrolliert und nach einem kleinen Missgeschick mit dem Leim nicht ein drittes Mal vor dem Anziehen geschaut.... und TADA, die Stange hatte sich astrein 3mm versetzt zum Loch ins Holz gebohrt. Faszinierenderweise, hatte sie sich wirklich 6 mm in den Ahorn gedrückt, statt auszuknicken - Dabei ist es nur eine simple Alustange. Da war jedenfalls nachträglich auch nichts mehr zu richten.

Die verrutschte Handtuchstange

Dafür belohnte am nächsten Mittag der verleimte "Rohbau" des Regals in seiner vollen Pracht :). Nach einer Schleifpapierbehandlung und drei Schichten Danish Oil, war ich hin und weg von dem Glanz und dem samtig weichen Holz meines Gewürzregals.
Auf dem Bild ist ein deutlicher farblicher Unterschied zwischen den mittleren Regalböden und den Seiten zu sehen. Dieser Effekt kommt wahrscheinlich durch die unterschiedliche Reaktion auf das Blitzlicht der Kamera.

Gewürzregal nach dem letzten Ölauftrag

Abschließend habe ich noch die beiden Aufhänger an die Rückwand geschraubt und das Regal direkt in die Küche getragen und aufgehängt.

Das neue Gewürzregal in "Aktion"

Insgesamt ist das neue Regal ein deutlicher optischer Fortschritt, auch wenn es so in die Ecke gezwängt gar nicht richtig zur Geltung kommt. Aus pragmatischen Gründen habe ich diesmal auf Rundstäbe als Sicherung für die Gewürzdosen verzichtet. So lassen sich die Dosen sehr viel leichter heraus nehmen.

Übrigens für alle mit eigener Werkstatt - so sieht das bei mir aus, wenn ich Abends meinen ganzen Kram wieder rein tragen muss.

Das Ende eines Arbeitstages - vor meiner Wohnungstür



Ergänzung - Der kleine Bruder:

Anderthalb Jahre nach der Fertigstellung des Gewürzregals erblickte sein kleiner Bruder das Licht und den Lärm der Hobbywerkstatt. Er ist übrigens aus dem gleichen Holz geschnitzt, bzw. gesägt. Ich hatte noch Reste von der ursprünglichen Bohle und habe diese natürlich sofort dafür verwendet.
Wieso baue ich ein zweites Gewürzregal? Mein Cousin hat sich zum Einzug in seine Wohnung ein kleines Gewürzregal gewünscht und diese Bitte konnte ich ihm nicht abschlagen, da ich noch in guter Erinnerung hatte, wie schön sich der Ahorn verarbeiten ließ.
In der Zeit hat sich natürlich auch in meiner "Werkstatt" einiges geändert, sodass der Zuschnitt diesmal auf der Erika erfolgte und nicht auf meinem selbstgebauten Kreissägetisch.

Zuschnitt

Die Formgebung und die Vorbereitung der Einzelteile erfolgte analog zu seinem großen Bruder, weswegen ich diese Schritte nicht erneut dokumentiert habe.
Weiter geht es erst wieder mit der Aussparung für die obere Blende. Angezeichnet und mit Japansäge und Stechbeitel sauber ausgearbeitet.

Anriss der Aussparung

Eine weitere Lektion des letzten Regals waren die Sägeblattspuren an den Regalböden. Diese wurden diesmal postwendend mit einem Hobel glatt gezogen.

Entfernen der Sägeblattspuren

Durch die geringeren Abmessungen war das Verleimen diesmal ein Kinderspiel, zu mal ich inzwischen auch einen Leim mit 20min offener Zeit habe. So bleibt genug Zeit alle Teile ordentlich mit Leim einzupinseln und sorgfältig zusammenzusetzen.

Verleimung

Nachdem der Leim abgebunden hatte, habe ich von der Rückseite mit der Oberfräse und Parallelanschlag die Nut für die Rückwand eingefräst. Obwohl es ein bisschen umständlich aussieht, hat es wunderbar funktioniert und würde ich in Zukunft auch wieder so machen.

Einnuten der Rückwand....

Passte perfekt, sobald die Ecken der Rückwand mit Schleifpapier gerundet waren.

.... und das Ergebnis

Fehlt nur noch eine einfache und billige, aber effektive Aufhängung.

Aufhängen an der Rückseite

Das Nachwuchs-Gewürzregal kurz vor dem Weg ins Ölbad.

Von vorn...

... und von der Seite

Wieder drei Schichten Danish Oil und der Ahorn erstrahlte in seinem prächtigen Glanz.

Das geölte Regal

Und noch einmal aus einer anderen Perspektive

Selbstverständlich musste das Regal nicht lange auf die Abholung warten und bekam ziemlich schnell einen schönen Platz in der Küche meines Cousins.

Der kleine Bruder in "Aktion"




Kommentare :

  1. Hallo Tobi,

    hast Du die Projekte alle in der Schublade ? Man kommt gar nicht nach mit lesen. Macht viel Spaß !

    Mach weiter so, Deine Schublade scheint ja noch gefüllt mit Projekten zu sein.

    Hast Du nun immer noch die Freiluftwerkstatt vom vorherigen Thread oder bist Du mittlerweile Indoor ? (Ich habe da eine Hobelbank gesehen)

    Diese Liebesmühe, das ganze Werkzeug unterm Bett zu lagern und hin und her zu tragen bedarf ja unglaublicher Disziplin. Respekt. Diese Kraft hätte ich nicht.

    Gruß Andi

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    1. Moin Andi,

      ich habe bisher maximal die Hälfte (eher erst ein Drittel) meiner bereits abgeschlossenen Projekte hier eingestellt. Es wird also noch ein paar Tage in diesem Tempo weiter gehen.

      Ich fahre mit meinen Arbeitsplätzen inzwischen zweigleisig. Ich habe noch meine Freiluftwerkstatt, aber inzwischen auch eine Hobelbank im Warmen ;) Die entsprechenden Beiträge kommen in den folgenden Tagen.

      Gruß Tobi

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  2. Hai Tobi,
    Dein Blog ist wirklich schön!!!
    Habe aber noch zwei Fragen: Hast du die Hobelsohle nach dem Kaof nochmal nachgeplant?
    Und was für eine Hobelbank ist das denn. sieht auch wirklich gut aus(Suche nämlich gerade nach einer)
    Gruß Tobi

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    1. Moin werter Namensvetter,

      danke für die Blumen :)

      Der Hobel wurde nach dem Kauf nur geschärft und entölt. Ansonsten ist er direkt nutzbar, da die Sohle ausreichend plan ist.

      Die Hobelbank ist von Herkules. Dazu gibt es vielleicht noch heute einen Beitrag ;)

      Gruß Tobi

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